Dr. med. Christiane Neudert

Naturheilverfahren / Biologische Krebstherapie / Ozon-Sauerstoff-Therapie / Akupunktur

Kryptopyrrolurie

Die Erkrankung Kryptopyrrolurie (KPU) oder anders genannt Hämopyrrollaktamurie (HPU) zeichnet sich durch einen chronischen Vitamin B6-Mangel und Zink-Mangel in den Zellen aus. Pyrrolurie bedeutet wörtlich "Ausscheidung von Pyrrolen im Urin". Die Stoffe Kryptopyrrol und Hämopyrrollactam hängen miteinander zusammen, sind jedoch nicht identisch, so dass die Begriffe KPU und HPU genau genommen verschiedene Phänomene bezeichnen.
Bei vielen chronischen und therapieresistenten Krankheiten und Beschwerden kann diese wenig bekannte aber dennoch recht verbreitete
Stoffwechselerkrankung die Ursache sein. Etwa 5 – 10 % der Bevölkerung sind nach Schätzungen von der Pyrrolurie betroffen, bei Frauen ist der Anteil deutlich höher als bei Männern.

Entdeckung der Pyrrolurie

Die Geschichte der Pyrrolurie begann Ende der 1950er Jahre mit der Suche nach einer Substanz zur Erklärung der Schizophrenie. In den darauf folgenden Jahrzehnten beschäftigten sich verschiedene Forscher mit dem Thema, den Folgen für den Organismus und möglichen Behandlungskonzepten. Sie kamen dabei zu unterschiedlichen Aussagen und bis heute sind wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Stoffwechselphänomen Pyrrolurie nicht geklärt. Es gibt zur Pyrrolurie, wie auch zu den Berührungspunkten mit anderen Krankheitsbildern und der Abgrenzung zu diesen, keine von der Schulmedizin anerkannte Studie. Weshalb die Pyrrolurie außerhalb der Orthomolekularen Medizin kaum bekannt ist.

Ursachen der Kryptopyrrolurie

Bei der Kryptopyrrolurie handelt es sich meist um eine genetisch, familiär gehäuft auftretende enzymatische Störung des Häm-Stoffwechsels (Häm = roter Blutfarbstoff). Daher die andere Bezeichnung Hämopyrrollaktamurie.
Ursächlich wird auch eine erworbene Form von Hämopyrrollaktamurie bei akuter
Vergiftung durch Schwermetalle wie Quecksilber und Blei (Zahnersatzmaterialien, Impfstoffe) diskutiert.

Neuere Forschungen Kuklinskis ergaben einen positiven Zusammenhang zwischen pathologisch erhöhten Pyrrolwerten, einer gestörten Mitochondrienfunktion und nitrosativem Stress durch gesteigerte Stickoxid (NO)-Bildung im Organismus. Den beobachteten Zusammenhang erklärt Kuklinski durch die Hemmung eisenhaltiger Enzyme des Körpers, die besonders empfindlich auf erhöhte NO-Konzentrationen reagieren. Als Ursachen bzw. verstärkende Faktoren des nitrosativen Stresses benennt Kuklinski neben bestimmten Medikamenten und Chemikalienbelastungen vor allem die instabile Halswirbelsäule als "häufigste, unerkannte Schädigung des Menschen".

Einige äußere Einflussfaktoren können eine latente Pyrrolurie akut werden lassen bzw. zur Verstärkung oder dem gehäuften Auftreten der Symptome führen. Dazu gehören
Stress jeder Art, auch physischer, z.B. durch Infektionen, Verletzungen, Operationen und Sonnenlicht sowie Alkohol und Drogen. Ebenso Fehlernährung z.B. bei Unverträglichkeiten, die zu Dysfunktionen des Darmes führt.

Der Schlüssel zum Verständnis ist das Pyrrol

Beim Eiweissabbau entsteht bei jedem Menschen Pyrrol. Beim stoffwechselgesunden Menschen entsteht nur sehr wenig Pyrrol. Pyrrol aber ist für die Ausscheidungsorgane giftig, weshalb es durch Verbindung von 4 Pyrrolringen unschädlich gemacht wird. Der Organismus scheidet Pyrrole unter normalen Bedingungen über die Gallenfarbstoffe im Stuhl über den Darm aus. Wenn Pyrrol jedoch in großen Mengen entsteht, kann die Galle dieses nicht mehr vollständig verarbeiten, so dass es über die Niere ausgeschieden werden muss. In der Niere wird das Pyrrol unter Komplexbindung an Zink und Vitamin B6 unschädlich gemacht und mit dem Urin ausgeschieden. Vitamin B6 und Zink holt sich der Körper aus körpereigenen Reserven, weshalb ein erhöhter Bedarf entsteht, der zu einem Vitamin B6- und Zinkmangel führt. Folge sind eine verringerte Aufnahme weiterer Mineralstoffe wie Chrom, Mangan und Magnesium sowie eine Beeinträchtigung der Produktion von Vitamin B3 aus Tryptophan.
Durch Vitamin B6- und Zink-Mangel steigen die Pyrrolwerte immer weiter an, wobei erhöhte Mengen auch die Blut-Hirnschranke überwinden können.

Diffuses Beschwerdebild bei der Kryptopyrrolurie

Pyrrolurie kann eine Vielfalt von Symptomen und Erkrankungen verursachen, die in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination auftreten, denn der Körper reagiert sehr individuell auf die Mangelsituation. Viele Symptome lassen sich direkt aus den Funktionen von Vitamin B6 und Zink im Körper ableiten. Außerdem kann die Anreicherung von Pyrrolen in den Organen zu toxischen Effekten führen, die sich durch Symptome des zentralen, peripheren oder vegetativen Nervensystems, der Haut oder des Magen-Darmkanals äußern können. Als sehr typisch bei Pyrrolurie gilt die fehlende Stresstoleranz.

Folgende Organe oder Organsysteme können von Symptomen betroffen sein:
Hirn / Nervensystem / Psyche: Kopfschmerzen, Migräne, Schlaflosigkeit, chronischer Erschöpfung, fehlender Stresstoleranz, psychische Probleme und Lernschwächen verschiedenster Art
Augen: Maculadegeneration, Nachtblindheit
Immunsystem: Infektanfälligkeit, chronischen Infektionen, Allergien
Hormonsystem: Entwicklungs- und Wachstumsstörungen, verminderter Fruchtbarkeit, Schwangerschaftskomplikationen, Menstruationsbeschwerden, Schilddrüsenfehlfunktionen
Verdauungsorgane: Unterzuckerungssymptome, "Morgenübelkeit", Altersdiabetes, Reizdarmsyndrom, Oberbauchschmerzen, diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Haut, Haare, Nägel, Zähne: Sonnenlichtüberempfindlichkeit, Hautprobleme verschiedener Art, Haarausfall, weißen Flecken oder Querstreifen auf den Nägeln, schlechter Zahnschmelz
Bewegungsapparat: Rücken- und Gelenkschmerzen, Überbeweglichkeit von Gelenken, Muskelzuckungen, -krämpfe, -schwäche

Menschen mit HPU sind überdurchschnittlich häufig von
Autoimmunerkrankungen betroffen. Kamsteeg führt dies auf von der Leber nicht entsorgte bioaktive Substanzen zurück, die sich im Gewebe anreichern, mit den Zellmembranen reagieren und in der Folge vom Immunsystem als nicht körpereigen angesehen und bekämpft werden.

Störungen im Histamin-Stoffwechsel, die sich in abweichenden Histamin-Blutspiegeln äußern, können eine große Anzahl sehr unterschiedlicher Symptome, unter anderem eine Histamin-Intoleranz verursachen, und eine Besserung des Befindens erheblich hinauszögern.
Oft findet sich bei Pyrrolikern ein chronisch niedriger oder instabiler Blutzuckerspiegel mit häufigen Blutzuckerabfällen, als funktionelle, reaktive oder nahrungsbedingte (postprandiale) Hypoglykämie bezeichnet.

Ebenso treten häufig Nahrungsmittelintoleranzen auf. Kuklinski erklärt dies dadurch, dass zahlreiche Dipeptidasen des Dünndarms (Eiweiß abbauende Enzyme) nur zinkabhängig wirken und dass es damit zwangsläufig zu Abbaustörungen von Laktose, Fruktose und Gluten oder zu Pseudo-Allergien auf Eiweiß (z.B. Kuhmilch) komme. In Folge der
Eiweißver-wertungsstörung bei Pyrrolurie kann das Immunsystem nicht optimal arbeiten, da auch Antikörper aus Eiweißen bestehen.
Besonders häufig tritt eine Gluten-Intoleranz auf, ohne dass jedoch eine Zöliakie/Sprue vorliegt.
Auch Unverträglichkeiten gegen Kasein und Sojaprotein werden im Zusammenhang mit Pyrrolurie beobachtet, ebenso IgG- oder IgG(4)-vermittelte Lebensmittel-Unverträglichkeiten.

Therapiekonzepte

Die übliche Therapie der Pyrrolurie besteht in einem Ausgleich der als Folge entstandenen Vitamin- und Mineralstoffmängel durch eine hochdosierte Einnahme entsprechender Präparate. Neben Einzelpräparaten sind spezielle Kombinationspräparate auf dem Markt.

Entsprechend seinem Forschungsansatz, der die Pyrrolurie als Begleitsymptom einer
Mitochondropathie sieht, unterscheidet sich das Therapiekonzept Kuklinskis von dem oben genannten Ansatz. Nur bei leichten Formen hält er eine Therapie in der bisher üblichen Form für sinnvoll.

Manche Pyrroliker sprechen innerhalb von 24 Stunden auf die Behandlung an, häufig werden Besserungen der Verhaltensstörungen und des psychischen Befindens innerhalb von einer Woche festgestellt. Die vollständige Erholung des Organismus dauert in der Regel mehrere Monate. Nicht bei jedem Betroffenen tritt eine Besserung allein durch die Pyrrolurie-Behandlung ein. Ein Grund können andere, auch in Folge der Pyrrolurie auftretende, Störungen sein, die gesondert behandelt werden müssen. Bei der erblichen Form der Pyrrolurie ist eine lebenslange Behandlung erforderlich, die Dosis kann jedoch nach einem längeren Zeitraum oft auf eine Erhaltungsdosis reduziert werden.